Kuno Grathwohl – Veduta Spaziale – 2001 2019-07-17T17:30:29+00:00

Kuno Grathwohl

Vedute spaziali – Seit annähernd 15 Jahren sind die Vedute spaziali das Thema, um das sich die Malerei von Kuno Grathwohl dreht. In immer neuen Variationen malt er dazu ein Bild nach dem anderen. Wörtlich übersetzt heißt dieser übergreifende Werktitel  „räumliche Ansichten“. Der kunsthistorische Begriff der Vedute bezieht sich üblicherweise auf eine Landschafts- oder Stadtansicht. Hier bezeichnet er jedoch weder das eine noch das andere, sondern bezieht sich auf geometrische Körper in dreidimensionaler Darstellung. Es handelt sich um Kuben und Quader, die so zusammengesetzt sind, dass eine Grundform mehrfach auf der Bildfläche erscheint. Ihre Zuordnung ist entweder gegenläufig, parallel oder spiegelbildlich. Heraus kommen kompakte Körper, die wirken als schwebten sie im Raum, zumindest in der sie umgebenden, monochrom gehaltenen Farbfläche.

All diese geometrischen Körper haben eine Gemeinsamkeit. Sie erzeugen eine optische Täuschung, die als Kippeffekt wahrgenommen wird. Die Ursachen dafür liegen zum einen darin, dass die Körper nicht nach der Zentralperspektive konstruiert sind, sondern nach der  Parallelperspektive. Dadurch werden die Objekte zum Bildhintergrund hin nicht kleiner, wie wir es gewohnt sind, sondern Vorder- und Hintergrund bleiben gleich groß. Ursache für das Entstehen des Kippeffekts ist jedoch nicht allein die Parallel-perspektive, sondern die Tatsache, dass die dargestellten Körper sich eine Fläche teilen. Für den einen dient sie als Oberfläche und für den anderen  als Unterfläche. Darin eingeschlossen ist auch der Wechsel von Vorn nach Hinten. Es handelt sich wieder um die eine Fläche für zwei Körper, nur dass sich jetzt ihre Schrägstellung auswirkt und dass die beiden Körper sich in unterschiedlicher Höhe auf der Bildfläche befinden.  Vorn und Hinten erscheint bei beiden Körpern in grenzenlosem Übergang zueinander.

Geometrische  Körper, die so wie diese  auf der Bildfläche, also zweidimensional korrekt konstruiert werden können,  sich in der Wirklichkeit jedoch niemals  dreidimensional nachbauen ließen, haben in der Bildenden Kunst einen Namen. Sie heißen die „Unmöglichen Figuren“. Mit den „Unmöglichen Figuren“ werden Widersprüche in sich bezeichnet. Man sieht etwas, das in der Realität nicht sichtbar wäre. Die darin verschlüsselte Botschaft geht über die Grenzen unseres Wahrnehmungsvermögens  hinaus.