Anna Bittersohl – too tired to sleep – 2020 2021-01-19T15:57:45+00:00

Project Description

Anna Bittersohl – too tired to sleep – 2020

Anfang des Jahres 2020 schickten wir eine Kiste mit 12 weiß grundierten Holzplatten in identischem Format nach Leipzig, an unsere Künstlerin Anna Bittersohl. Sie sollte mit diesen Platten einfach verfahren, wie Sie es für richtig hielt. Unabhängig von Zeit, Technik oder anderen Faktoren war unsere einzige Bitte irgendwann die nun gefüllte Kiste für eine Ausstellung in der Galerie zurückzubekommen. Nach einem guten dreiviertel Jahr, kurz und passend vor Weihnachten, war es dann soweit. Das Projekt sei nun abgeschlossen, die Kiste voll und abholbereit.

Anna erwartete uns freudig in ihrem Atelier. Sehr lange habe es gedauert, bis sie sich den ungewohnten Untergrund erarbeitet hatte und die Bilder langsam miteinander gewachsen seien. Viel Zeit haben sie gemeinsam auf dem Fußboden verbracht, um von anderen Malprozessen Farbe abzubekommen, um zu zeigen, wie sich Material überhaupt auf ihnen verhält. Vertraut werden so zusagen.

Gegen Ende habe sich dann mit einmal alles recht rasch verdichtet. Die Handlung an einem Bild, ergab den nächsten Eingriff für das andere und plötzlich habe sich irgendwie so etwas wie eine den Arbeiten eigene, zusammengehörige malerische Geschichte entwickelt. Dieser Gedanke sei für sie sehr faszinierend gewesen. Die Bilder als einzelne, in der Reihenfolge nicht festgelegte, aber verbundene Kapitel zu betrachten.

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Dann sei da ja auch noch die Kiste gewesen, die alles zusammengehalten habe, ganz wie der Einband eines Buches. Buchrücken haben für Anna etwas Magisches. Solange man das Buch nicht aus dem Regal nimmt, könne ja jede Geschichte drinstehen, die man sich selbst anhand der wenigen, rätselhaften Worte auf dem Rand ausdenkt. Ähnlich sei es mit den Kapiteln.

Wie mag es wohl weitergehen, was würde passieren, wenn ich es selbst geschrieben hätte. „Das sei doch sehr schön“, sagt sie, „eigentlich sehr ähnlich wie meine Annährung an eine Malerei“. Also habe sie kurzerhand, in der Nacht vor dem Transport noch den Titel auf die Seite der Kiste geschrieben. Den Einband gefertigt und beschriftet. Da sei sie dann auf einmal gewesen, die Arbeit. „Ein Buch in 12 Kapiteln“, sagt sie, sichtlich erfreut.

Wie die Geschichte nun zu lesen sei und ob die Kapitel zusammenbleiben müssten will Anna den Bildern überlassen. Die dürfen Ihren eigenen Weg finden und das Vergnügen des Betrachters am Buchrücken sei sonst dahin. Es sei spannend zu sehen, wie sich die Erzählung verändert.

Schön wäre nur wenn die Bilder in einer Reihe starten und jedes den Gesamt- und Einzeltitel behält. Der Startschuss fällt in der Galerie Ahlers, die Reihenfolge der Arbeiten darf jederzeit vom Betrachter geändert werden, die Kapitel neu sortiert, die Geschichte neu erzählt werden.

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