Chelsea Hotel 2020-07-31T12:49:08+00:00

Exklusiv bei Galerie Ahlers

Albert Schöpflin

Chelsea Hotel
New York
Fotos 1969 – 1971

s/w Fotos
ca. 30 x 40 cm
signierte Auflage
15 + 5 EA
Handgemachter silvergelantine Print
EUR 1500,00

farbige
ca. 30 x 40 cm
signierte Auflage
15 + 5 EA
Archival Pigment Print
EUR 1500,00

Hinweis: ab fünf je Motiv verkauften Arbeiten verdoppelt sich der Preis

Der Fotograf und Dokumentarfilmer Albert Schöpflin, genant Scopin hielt in den 1970er Jahren viele einzigartige Momente der Stars in ihrem ganz privaten Umfeld fest. 1969 zog er nach New York, um Fotografen wie Mikel Avedon und Bill King zu assistieren. Für ein paar Jahre (1969-71) lebt er im Chelsea Hotel, bis 1974 bleibt er in New York. Es entstand auch ein Kurzfilm, in dem er die Lebensart von Persönlichkeiten darstellt. Er stand in Kontakt zu Patti Smith und Robert Mapplethorpe, dokumentierte Zimmer, kreatives Chaos, Zeichnungen, Models und Wohngemeinschaften. Sein Handwerk lernte der Schweizer Scopin (1943-) an der Staatslehranstalt für Fotografie in München. Scopin vermittelt das Lebensgefühl der 1970er-Jahre, indem er den Freigeist in Form der Stimmung und Vielfalt der Zeit transportiert.

Chelsea Hotel- Besuchsmagnet für aufsteigende Künstler der 1970er-Jahre

Die Idee für das Chelsea Hotel in New York, situiert im künstlerischem Stadtteil Chelsea, wurde 1883 von dem französischem Architekt Philip Hubert verwirklicht. In der Wachstumsphase der Weltstadt war das Chelsea Gebäude, mit Platz für 800 Bewohner, der höchste und größte Apartmentkomplex in der Metropole, bevor es 1905 zum Hotel umgewandelt wurde. Bereits zu Beginn hatten die Gebäudeinhaber und der Architekt die innovative Vision Künstler mit in ihr Vorhaben einzubeziehen. Fünfzehn Studios mit idealen Lichtbedingungen und die Nähe zu Kunst- und Musikschulen lockten sowohl Künstler als auch Familien mit Kindern an. Schon damals gab es eine große Diversität zwischen den Bewohnern, wie es sie in New York noch nie gegeben hatte: frisch verheiratete Ehepaare, residierte Aristokraten, Pianisten und Gelehrte. So divers wie die Bewohner ist auch die Raumaufteilung: es gibt weitläufige Apartments mit bis zu 280 Quadratmetern für die Wohlhabendere Zielgruppe, aber auch sehr viel Kleinere.

“mehr“

Das Stadtviertel Chelsea beherbergte zahlreiche Theater, die um 1900 mit Bewohnern der Apartments in den Norden der Stadt zogen, wo sich der Broadway ausbreitete. Im Jahr 1912 nahm das Hotel Überlebende der Titanic auf. Die Fassade aus rotem Backstein, asymmetrischen spitzen Dächern und Dachgauben-Fenstern im Pariser Stil mit der Optik der viktorianischen Gotik des Chelsea fügt sich heute in das Stadtbild New Yorks ein. Ein besonderes Detail sind die Schmiedeeisenbalkone verziert mit Ornamenten in Form von Sonnenblumen.

Heute immer noch ein Geheimtipp mit eigener Kultur, die jeder kennen sollte, weil es bis heute die Frage aufgreift, wie sich der Apartmentkomplex zu der größten alternativen, kreativen Gemeinde und einem kulturellen Dynamo für ein Jahrhundert entwickelte. Seit Mark Twains Besuch im 19. Jahrhundert, fanden zwei Künstler-Generationen ihre Oase. 1966 hatte das Gebäude den Status eines Wahrzeichens, das aus der aus der Stadt nicht mehr wegzudenken ist.

In den 1970er Jahren ist das Chelsea Hotel der Treffpunkt für die Musikszene, manche sind dort temporär oder fanden dort ihr Zuhause. Das Hotel wird, durch seine berühmten Besucher und deren Erlebnisse, dem Ruf New Yorks als „Die Stadt, die niemals schläft“ gerecht, denn auch in diesem Hotel folgte ein Ereignis dem nächsten. Das noch unbekannte Künstlerpaar Punk-Legende Patty Smith und Fotograf Robert Mapplethorpe wohnten im kleinsten Zimmer, wo sie für ihre kreative Arbeit wie erstmalige Fotografien inspiriert wurden. SängerInnen wie Janis Joplin und Leonard Cohen trafen sich im Hotel und schrieben hinter Schalldichten Wänden ihre Songs. Darunter auch Jimi Hendrix, der nachts mit seiner klingenden Gitarre die Bewohner weckte. Ein Song nach dem anderen wurde geschrieben, ein Skandal jagte den nächsten. ʿSex, Drugs and Rock‘n‘Rollʾ wurden zu einer öffentlichen Schlagzeile, nachdem Bassist Sid Vicious von den Sex Pistols seine Freundin Nancy Spungen im Zimmer 100 ermordete. Nach der Scheidung mit Marilyn Monroe fand der Schriftsteller Arthur Miller im Chelsea Zuflucht. Jack Kerouac schrieb seinen Roman „On The Road“, der die Amerikanische Beat-Kultur prägte. Die Liste der Künstler, Schauspieler, Sängern, Regisseuren, Musikern und Poeten, die einmal das Hotel besuchten, ließe sich unendlich fortsetzen: Von Allen Ginsberg bis Madonna.

Das Hotel als Traumpalast mit dynamischer Atmosphäre, die Lobby als Treffpunkt mit überfüllten Sesseln, der Kamin das Lagerfeuer für die Kreativen und das Hauptquartier der Bohème zum Austausch von Gesprächen, Feiern und neuen Songs im Rhythmus der Zeit. An den Wänden Kunst von Larry Rivers und Arman. Die Gegenkultur für Freigeister, ein Urlaub von gesellschaftlichen Gesetzen und so kann gänzlich Neues entstehen. Denn hier war es möglich sich kreativ und persönlich auszuleben. Nach oben führt der Fahrstuhl oder die geschwungene Treppe aus Messing und Marmor mit besonderem Flair, führt zu zwölf Stockwerken. Ganz oben die Dachterrasse mit Privatgärten, auf der sich der deutsche Filmregisseur Rosa von Praunheim gerne fotografieren ließ. Der Ausblick bietet einen einzigartigen Blick auf das Empire State Building, Manhattan und Greenwich Village.

Ein Luxushotel war das Chelsea nicht lange, viele hatten Schlechtes gehört, aber als die Künstler erst einmal dort lebten, konnten sie sich dem kulturellen Magneten nicht entziehen. Es war schnell klar, dass es nicht um die Ausstattung oder Bequemlichkeit geht, sondern um den Kontakt zu anderen Leuten. Das Time Magazine nennt es essenziell für die Stadt.

Das Chelsea: das Hotel mit den meisten Schlagzeilen in den internationalen Zeitungen bis heute. Die Mahagonitüren zu den Räumen, in denen die Folklegende Bob Dylan seine Songs schrieb, wurden 2018 bei einer Auktion für 100.000 Dollar versteigert. Es bleibt Kult bis heute und von den Gespenstern heimgesucht, die die Welt mit ihrem Mut zu Neuem veränderten. Es erzählt eine Alternative Geschichte Amerikas, die nicht oft genug dokumentiert werden kann. Heute ist das Hotel in einem desolaten Zustand, aber es wohnen noch zwischen 50 und 100 Bewohner inmitten von Renovierungen, da sie das besondere Flair nicht verlassen wollen.

Tanja Reiter

“weniger“

Im Jahr 1966 initiierte der US-amerikanische Künstler Andy Warhol (1928–1987) in seinem Film „The Chelsea Girls“ eine Einsicht schaffende Suche. Diese nahm für die Betrachtenden jedoch ein jähes Ende. Zurückgelassen auf einem von verwirrender Ehrlichkeit gesäumten Weg, der in zweigeteilter Form keinen Ausweg besaß, musste das Publikum sich fragen, was für filmische Bilder Warhol da wohl geschaffen hatte. Denn die verheißungsvollen Einblicke wurden alsbald beendet, die zuvor noch durch den Titel und das dazugehörige Filmplakat suggeriert wurden. Zurück blieb ein Film, der nicht ohne Grund bis heute seinen avantgardistischen Status aufrechterhalten konnte und im Überall der Lesbarkeiten verweilt.

“mehr“

In diesem unkonventionellen Film von etwas mehr als drei Stunden Lauflänge, der sich bisweilen über die Normgrenzen erstreckt, offeriert Warhol im Episodencharakter unterschiedliche Sichtweisen auf Menschen, Orte und Situationen seiner Zeit. Nicht auf einer, sondern auf zwei Bildebenen wird das bis heute von Legenden umwobene Chelsea Hotel in New York City – neben weiteren Drehplätzen – zum Ort einer Nicht-Erzählung, die weder Einleitung, Hauptteil noch Schluss beinhaltet. Warhol zeigt Menschen, die für die Augen der Betrachtenden bisweilen obszöne, anstößige oder unverständlich erscheinende Handlungen vollziehen. Brutalität, Selbstsucht und der Drang nach alleiniger Aufmerksamkeit sind die neuen Akteure, die an die Stelle einer erzählerischen Komponente dieser filmischen Sicht getreten sind. Die Zweiteilung des Bildes (engl. Split Screen), die zunächst verwirrend und die Erschließung des Schauenden im Bildfeld stetig springen lässt, erweist sich bei genauerer Hinterfragung jedoch als Möglichkeit der Verständniserringung. Denn so wie der Film sich jeweiliger Narration oder einem stringent folgenden Drehbuch abwendet, so zeigt er dem Publikum doch eine Sicht, die nicht vorherbestimmt oder vorformuliert, sondern in aufgeteilter, teils asynchroner Weise das Leben selbst widerspiegelt.

Die Galerie Ahlers in Göttingen schließt sich dieser Widerspiegelung an und zeigt ein umfassendes Fotokonvolut aus den Räumen des Chelsea Hotel zu Beginn der 1970er Jahre. Die Fotografien, die teils bekannte Persönlichkeiten wie Patti Smith (1946–) oder Robert Mapplethorpe (1946–1989) zeigen, die selbst im Chelsea Hotel ein und aus gingen, geben einen Einblick in ein Haus und seine Bewohnerinnen und Bewohner, der ebenso mehrschichtig und verwirrend daherkommt, wie es die filmischen Bilder Andy Warhols einige Jahre zuvor getan haben. Bildsujets von Räumen, die nicht zum betreten einladen und in ihnen befindliche, von vorrangig negativ konnotierten Klischees versehende Personen, geben den Bildern keine Eigenschaften des Verweilens und Erschließens auf. Doch erneut sind auch die fotografischen Zeugnisse ein kanalisiertes Indiz für das Leben und die manchmal nicht einladenden Gegebenheiten, die dennoch relevant und auf einen zweiten Blick von enormer Wichtigkeit und Informationsdichte sein können.

Alexander Leinemann

“weniger“

01 R.M.,P.S., Atelier

04 Patti & Gun

07 R. Mapplethorpe

10 Lesung

13 S. Bard Büro

16 Manhattan View

19 Yellow Taxi

22 Dschungel

25 Eingang

28 Radio City Hall

31 Lobby 1

34 Doll

37 W.Wenders

40 Dancing

43 Celebration

46 Warhol Crowd 3

49 Waitzkin Apartment

02 Patti in her room

05 Kinder

08 C. Breitenstein

11 Waschsalon

14 23rd Street

17 Couple

20 Rollerskates

23 S. Waitzkin

26 R. Gyzek

29 Ladenpassage

32 Present Warhol

35 Chancy suchend

38 Glamorous Party

41 Warhol Crowd 1

44 Warhol Crowd 2

47 Warhol Crowd 4

50 Stones

03 Patti Smith

06 Valy

09 Chancy and Man

12 Chancy TV

15 Fireplace

18 Rezeption

21 Birthday Party

24 Friends Lobby

27 Film Studio

30 Clown Girl

33 Dach Chelsea

36 Lobby Man

39 Party Life

42 Ballet

45 Glitter

48 Warhol Crowd 5